In den vergangenen zwei Jahren hat sich im Rhein-Main-Gebiet etwas verändert. Immer mehr Familiencafés, Eltern-Kind-Cafés und Kindercafés öffnen. Meist stehen junge Unternehmerinnen und Unternehmer dahinter, die selbst Kinder haben und den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Sie schaffen wertvolle Orte für Familien, an denen ihr mit Kindern willkommen seid und nicht nur geduldet.
Doch woran erkennt ihr, ob ein Familiencafé wirklich gut ist und mehr leistet als eine Spielecke neben der Theke
Raum, in dem Familien wirklich Platz haben
Ein Eltern-Kind-Café beginnt nicht mit der Speisekarte, sondern an der Tür.
Typische Merkmale:
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Stufe oder Rampe: Kommt ihr mit Kinderwagen ohne Umweg hinein
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Breite Wege: Ihr kommt auch durch, wenn noch zwei andere Wagen im Raum stehen
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Flexible Bestuhlung: Tische lassen sich zusammenschieben, Hochstühle stehen bereit
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Ruhige Ecke: Platz zum Stillen, Kuscheln oder für ein überreiztes Kind
Im Familiencafé zählt jeder Quadratmeter. Wenn Tische so eng stehen, dass niemand mehr durchkommt, hilft die schönste Deko nicht. Ein gutes Kindercafé plant von Anfang an Verkehrswege, Ruhezonen und den Blick auf die Spielecke. Ihr wollt eure Kinder im Auge behalten und trotzdem sitzen.
Atmosphäre: Wie das Team mit Kindern umgeht
Die Stimmung in einem Kindercafé spürt ihr in den ersten Minuten.
Wichtige Signale:
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Kinderlärm gehört dazu, niemand verzieht das Gesicht
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Das Personal spricht Kinder direkt an, auf Augenhöhe
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Es gibt klare, freundlich erklärte Regeln für die Spielecke
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Auch Gäste ohne Kinder fühlen sich informiert, nicht überrumpelt
Ein gutes Eltern-Kind-Café schafft einen Rahmen, der euch Sicherheit gibt. Ihr müsst euch nicht entschuldigen, wenn euer Kind lauter spricht oder unter dem Tisch hervor krabbelt. Gleichzeitig achtet das Team darauf, dass niemand die Spielecke „beschlagnahmt“ und dass auch andere Kinder drankommen.
Speisekarte im Familiencafé: Mehr als Pommes und Muffins
Familienfreundlich heißt nicht, dass nur Nuggets und Saftschorle auf dem Tisch stehen. Ein gut geführtes Familiencafé denkt über die Kinderkarte hinaus.
Darauf könnt ihr achten:
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Kinderportionen von normalen Gerichten, statt eigener „Rote-Wurst-Ecke“
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Optionen ohne Zuckerzusatz, etwa Porridge, Joghurt, Obst, Gemüsesticks
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Klare Kennzeichnung von Allergenen und vegetarischen oder veganen Angeboten
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Wasser kostenlos oder sehr günstig, auch für Kinder
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Kindertaugliches Geschirr, Becher mit Deckel, Lätzchen oder Tücher verfügbar
Ein solides Kindercafé nimmt auch euch als Erwachsene ernst. Guter Kaffee, eine kleine, aber frische Auswahl an Kuchen und Snacks und zumindest ein, zwei Gerichte, die mehr sind als Aufbackware. Ihr verbringt Zeit dort und wollt euch wohlfühlen, nicht nur „versorgt“ werden.
Infrastruktur im Eltern-Kind-Café: Kleine Details mit großer Wirkung
Die Einrichtung entscheidet oft, ob ein Besuch entspannt oder anstrengend läuft.
Typische Punkte, die ihr prüfen könnt:
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Wickeltisch in einem sauberen, gut beleuchteten Raum, mit Ablagefläche
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Mülleimer mit Deckel, ausreichend Handseife und Papier
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Mehrere Hochstühle, nicht nur ein einzelnes Modell
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Möglichkeit, Babynahrung zu erwärmen
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Haken für Jacken, Ablage für Taschen, Parkmöglichkeit für Kinderwagen
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Steckdosen gesichert oder außer Reichweite
Diese Details kosten in der Anschaffung nicht viel, zeigen aber, wie konsequent ein Familiencafé das Thema Familie denkt.
Spielecke im Kindercafé: Qualität statt Spielsammlung
Viele Cafés stellen eine Kiste mit Spielzeug in die Ecke und nennen sich dann Familiencafé. Das reicht nicht.
Die Spielecke in einem guten Eltern-Kind-Café:
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Liegt so, dass Kinder nicht mitten durch den Service laufen
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Bietet robustes, ganzes Spielzeug, keine Kiste voller Bruchstücke
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Hat Elemente für verschiedene Altersgruppen, etwa Duplo, Bücher, eine kleine Küche
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Wird sichtbar regelmäßig gereinigt
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Hat klare Regeln: kein Essen in der Spielecke, kein Werfen von Spielzeug, Schuhe aus oder an
Im Idealfall gibt es eine kleine Auswahl an Büchern und einen Tisch mit Malblättern. Dann habt ihr etwas in der Hand, falls euer Kind eine Pause vom wilden Spiel braucht.
Sicherheit im Familiencafé: Unaufgeregt, aber durchdacht
Gerade im Familiencafé spielt Sicherheit eine zentrale Rolle. Kinder lernen, probieren aus, laufen los. Das steuert ihr nicht. Was sich steuern lässt, ist das Umfeld.
Worauf ihr achten könnt:
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Keine offenen Treppen oder Stufen direkt an der Spielecke
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Rutschfester Boden, besonders im Eingangsbereich und an der Theke
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Heiße Getränke gehen nicht über Kinderköpfe
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Möbel stehen stabil, ohne scharfe Kanten auf Kinderhöhe
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Fluchtwege sind nicht durch Kinderwagen zugestellt
Ihr braucht kein Fachwissen. Wenn ihr an mehreren Stellen denkt „Das wirkt riskant“, stimmt etwas nicht.
Neue Gründerkultur: Familiencafés im Rhein-Main-Gebiet
Auffällig ist, wie viele Familiencafés im Rhein-Main-Gebiet in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind. In Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Mainz und den umliegenden Städten wagen vor allem junge Unternehmer und Unternehmerinnen den Schritt ins eigene Eltern-Kind-Café oder Kindercafé.
Viele von ihnen kommen aus anderen Berufen, bringen Erfahrung aus Gastronomie, Pädagogik, Design oder Sozialarbeit mit und kombinieren dieses Wissen. Sie kennen den Alltag mit Kindern aus erster Hand und richten ihr Familiencafé danach aus:
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Flexible Öffnungszeiten für Familien mit Schichtdiensten
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Veranstaltungen wie Krabbelgruppen, Elternabende oder Vorträge
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Kooperationen mit Hebammen, Logopädie, Frühförderung
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Kleine Shops mit regionalen Produkten für Kinder
Für Familien im Rhein-Main-Gebiet heißt das: Die Auswahl an Familiencafés, Eltern-Kind-Cafés und Kindercafés wächst. Ihr findet eher ein Café, das zu eurer Lebenssituation passt, statt euch an das nächstbeste Angebot anzupassen.
Wie ihr euer Familiencafé, Eltern-Kind-Café oder Kindercafé auswählt
Ihr müsst keinen ausführlichen Vergleich starten. Ein kurzer Blick reicht oft.
Stellt euch bei einem neuen Familiencafé zum Beispiel diese Fragen:
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Kommen wir mit Kinderwagen oder Buggy problemlos hinein
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Sehen wir eine Spielecke, die gepflegt wirkt
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Reagiert das Team freundlich, wenn unser Kind laut ist
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Finden wir auf der Karte etwas, das wir unserem Kind guten Gewissens geben
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Gibt es einen Wickelplatz, der sauber wirkt
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Fühlen wir uns selbst als Gäste ernst genommen
Je mehr Fragen ihr mit Ja beantwortet, desto höher die Chance, dass ihr wiederkommt. Dann wird aus dem einen Eltern-Kind-Café sehr wahrscheinlich ein fester Bestandteil eures Alltags.