Ab in die Bibliothek!

Bücher sind ein wunderbarer Zeitvertreib für Jung und Alt. Doch es macht nicht nur Spaß, tolle Geschichten zu entdecken und fantastische Welten zu erkunden. Vorlesen und späteres Lesenlernen sind zudem für die Entwicklung eines Kindes enorm wichtig. Denn wie es Schriftsteller George R.R. Martin, Autor der nicht gerade kindgerechten „Game of Thrones“ Bücher, so treffend geschrieben hat: „Ein Verstand braucht Bücher, wie ein Schwert den Schleifstein“. Beim sinnbildlichen Schleifen des kindlichen Verstandes kann auch die Bibliothek eine entscheidende Rolle spielen. Wir haben uns mit Diplom-Bibliothekarin Meike Betzold, Leiterin der Stadt- und Schulbibliothek Kelsterbach, über dieses Thema unterhalten:

Warum sollten gerade Familien mit Kindern Deiner Meinung nach regelmäßig in die Bibliothek gehen?

Meike Betzold: Das Klischee von der Bücherei als ein staubiger Ort der Stille, an dem die Bibliothekarin jeden noch so kleinen Mucks ahndet, ist längst überholt. Die Bibliothek ist heute ein sehr lebendiger Ort der Begegnung. Bei uns können die Besucher nicht nur Bücher, Filme, Brettspiele, CDs oder Tonie-Figuren ausleihen. Gerade Kinder und Jugendliche dürfen hier auch ihren Wissensdurst stillen, immer wieder etwas Neues entdecken oder einfach sich mit Freunden zum Spielen, Hausaufgabenmachen oder zum Quatschen in unseren Chill-Ecken treffen.   

Was bietet Ihr in Eurer Bibliothek für Kinder und Jugendliche an?

MB: Bei uns gibt es das ganze Jahr über ein kunterbuntes Kinderkulturprogramm, das jede Woche verschiedene Veranstaltungsformate präsentiert. Das reicht von der offenen Kunstwerkstatt über Theater, Kino bis hin zu Kinder-Rockkonzerten. Da sind Angebote für ganz kleine Kinder ab 6 Monaten, aber auch die Gaming Night für Jugendliche oder die lange Horror-Nacht für junge Erwachsene mit dabei.

Habt Ihr auch spezielle Programme zur Leseförderung?

MB: Ja. Wir arbeiten eng mit Kindergärten und Grundschulen zusammen. Zum Beispiel bieten wir Bilderbuchkino für Kindergartengruppen an und unterstützen die Erzieherinnen und Erzieher bei der Auswahl von Büchern zu Themen, die aktuell in ihrem Kindergarten behandelt werden. Zudem stellen wir den Kindergärten den „Bilderbuchschatz“ zur Verfügung. Das sind Kisten mit zehn Bilderbüchern, die wir zusammen mit Lesepaten auswählen. Diese Kisten ermöglichen es nicht nur Erziehern und auch Eltern, mal neue Bücher abseits der bekannten Klassiker kennenzulernen. Die Kinder dürfen zudem auch noch aus den zehn Bilderbüchern ihren Favoriten wählen. 2019 war „Die kleine Maus wird niemals satt“ von Christine Pym das Lieblingsbuch der Kelsterbacher Kinder.

Und wie sieht das bei Grundschulen aus?

MB: Da wurde das Leseförderkonzept gerade umgestellt. Für jede Klassenstufe gibt es jetzt ein spezielles Angebot. Wir gehen dafür direkt in die Klassen oder zu Elternabenden und die Schüler kommen auch zu uns.

Apropos Elternabende: Hast Du einen Tipp für Eltern?

MB: Ganz klar: Nehmt Euch Zeit, mit Euren Kindern zu lesen und gemeinsam Geschichten zu entdecken! Wenn möglich täglich, auf jeden Fall aber mehrmals pro Woche. Da habt Ihr nicht nur eine schöne gemeinsame Kuschelzeit, sondern ihr tut mit ein paar Minuten so viel Gutes für den späteren Leseerfolg Eurer Kinder. Oder um es mit Astrid Lindgren zu sagen: „Ihr müsst dem Kind den Weg zum Buch weisen. Denn findet es den Weg als Kind nicht, findet es ihn nie“.

Du bist ja auch neben Deiner Arbeit in der Bibliothek sehr engagiert. Was kannst Du uns etwas über das Projekt „Gütesiegel Buchkindergarten“ erzählen, an dem Du auch beteiligt bist?

MB: Mit dem Gütesiegel wurden 2019 erstmals 200 Kindergärten aus ganz Deutschland ausgezeichnet, die sich ganz intensiv mit dem Thema „Literacy“, also dem Heranführen von Kindern an Literatur, beschäftigen. Unser Ziel ist es, dass Lesen, Sprache und Medien in der pädagogischen Arbeit von Kindergärten einen hohen Stellenwert haben. Und wo das der Fall ist, soll das auch prämiert werden. Interessierte Einrichtungen können sich unter www.guetesiegel-buchkindergarten.de über die Auswahlkriterien informieren und können sich dort auch das Bewerbungsformular herunterladen. Wir von der Jury waren von der enormen Resonanz gleich im ersten Jahr wirklich überrascht. Wir hätten nie damit gerechnet, dass sich auf Anhieb über 800 Kindergärten für das Siegel bewerben.

Zum Abschluss darf natürlich eine Frage nicht fehlen: Welches Kinderbuch kannst du derzeit besonders empfehlen?

MB: Aktuell ist das Bilderbuch „Plötzlich war ein Wuckel da“ von Uticha Marmon mein Favorit. Besonders für Kinder, die ein Geschwisterchen bekommen, ein witziges und gleichzeitig lehrreiches Buch über das neue Familienmitglied!

Ab in die Bibliothek!
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