Musik erleben, selbst ausprobieren und gemeinsam kreativ werden: Das Frankfurter Projekt „Jazz und Improvisierte Musik in die Schule!“ (JIMS) bringt seit 15 Jahren professionelle Jazzmusiker direkt an die Schulen. Mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche an über 50 Frankfurter Schulen haben seit 2011 teilgenommen. Zum Jubiläum blickt das Projekt auf seine Entwicklung zurück – und zeigt, wie vielfältig musikalische Förderung sein kann.
Wie klingt Jazz eigentlich? Was passiert, wenn Musiker ohne feste Vorgaben zusammenspielen? Und kann man selbst Musik machen, ohne gleich ein Instrument perfekt zu beherrschen? Genau solche Fragen stehen beim Frankfurter Bildungsprojekt „Jazz und Improvisierte Musik in die Schule!“ im Mittelpunkt.
Das Besondere: Die Kinder müssen dafür nicht in eine Musikschule oder ein Konzert gehen. Bei vielen Angeboten kommt die Musik direkt zu ihnen in die Schule. Andere Projekte richten sich an Jugendliche, die bereits ein Instrument spielen und gemeinsam mit erfahrenen Jazzmusikern musizieren möchten.
Jazzkonzerte direkt in der Schule
Eines der bekanntesten Angebote ist der „Fahrende Jazzclub“. Dabei besuchen professionelle Jazzmusiker Frankfurter Schulen und verwandeln Turnhallen, Aulen oder Schulhöfe in kleine Konzertbühnen.
Die Kinder erleben Jazz aus nächster Nähe und werden je nach Programm selbst einbezogen. Sie können beispielsweise mitsingen, klatschen oder rhythmisch mitmachen. Für Grundschulkinder gibt es das Format „Jazz for Kids“, bei dem bekannte Kinderlieder in neuen musikalischen Arrangements erklingen.
Auch für ältere Schülerinnen und Schüler gibt es altersgerechte Konzerte. Die Angebote sollen zeigen, wie unterschiedlich Jazz klingen kann und wie Musiker durch Improvisation miteinander kommunizieren.
Wie viele Kinder damit erreicht werden, zeigte sich im Mai 2026: Bei acht Konzerten an Frankfurter Grundschulen nahmen mehr als 1.600 Schülerinnen und Schüler teil.
Selbst Musik machen und mit Jazzprofis spielen
JIMS bietet aber nicht nur Konzerte zum Zuhören und Mitmachen. Kinder und Jugendliche, die selbst musizieren, können bei weiteren Angeboten aktiv werden.
Bei den Schüler-Jamsessions treffen sich junge Musikerinnen und Musiker zwischen 12 und 18 Jahren, um gemeinsam mit professionellen Jazzmusikern zu spielen. Dabei geht es nicht darum, ein perfekt einstudiertes Stück vorzutragen. Vielmehr können die Jugendlichen ausprobieren, improvisieren und Erfahrungen im Zusammenspiel sammeln.
Einzelne Jugendliche können ohne Voranmeldung teilnehmen. Musikgruppen sollen sich vorab anmelden.
Für fortgeschrittene Nachwuchsmusiker gibt es außerdem das Frankfurter Jugend-Jazzensemble. Es richtet sich an Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren, die bereits musikalische Vorkenntnisse haben.
Unter der künstlerischen Leitung des Saxofonisten Peter Klohmann proben die Mitglieder gemeinsam, erarbeiten Konzertprogramme und treten öffentlich auf. Interessierte können sich beim Projektbüro melden und zunächst unverbindlich eine Probe besuchen. Die Teilnahme ist kostenlos.
Wie können Kinder und Schulen teilnehmen?
Die verschiedenen Angebote haben unterschiedliche Zugangswege.
Für Schulklassen: Frankfurter Schulen können die kostenlosen Mitmachkonzerte über das JIMS-Projektbüro anfragen. Die Musiker kommen direkt in die Schule. Lehrkräfte erhalten Unterstützung bei der Vorbereitung sowie passende Unterrichtsmaterialien.
Für Kinder und Jugendliche, die selbst Musik machen: Die Schüler-Jamsessions und das Jugend-Jazzensemble bieten Möglichkeiten, auch unabhängig von einer Schulveranstaltung teilzunehmen. Welche musikalischen Vorkenntnisse erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Angebot ab.
Alle Informationen zu den Programmen, aktuellen Terminen und Anmeldemöglichkeiten gibt es unter schuljazz-frankfurt.de.
Warum spielt Improvisation eine so große Rolle?
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist das freie musikalische Zusammenspiel. Beim Improvisieren entwickeln Musiker eigene Ideen und reagieren spontan auf das, was andere spielen.
Die Kinder und Jugendlichen erleben dabei, dass Musik nicht immer nach einem festen Plan entstehen muss. Sie können Neues ausprobieren, aufeinander hören und gemeinsam etwas entwickeln.
Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen kann diese Form des Musizierens neben musikalischen Fähigkeiten auch Kreativität, Teamgeist und Selbstvertrauen stärken.
Damit Jazz und Improvisation auch im regulären Unterricht Platz finden, bietet JIMS zusätzlich Fortbildungen und Materialien für Lehrkräfte an. Schulen, die sich besonders für Jazz engagieren, können mit dem Qualitätssiegel „Jazz-Aktiv-Schule“ ausgezeichnet werden.
Seit 2011 Teil der Frankfurter Musiklandschaft
Gegründet wurde „Jazz und Improvisierte Musik in die Schule!“ im Jahr 2011 von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Die Idee dahinter: Frankfurt hat eine lange Jazztradition, von der auch Kinder und Jugendliche profitieren sollen.
Seit 2014 liegt die Trägerschaft bei der Musikschule Frankfurt. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Aventis Foundation.
Im Laufe der Jahre sind zahlreiche Kooperationen entstanden, beispielsweise mit der Alten Oper Frankfurt. Auch international bekannte Musiker wie Nils Landgren und David Amram haben bereits mit dem Frankfurter Schüler-Jazzensemble zusammengearbeitet.
Eine weitere Bühne für junge Musiktalente bietet das Frankfurter Schüler-Jazzfestival, das alle zwei Jahre stattfindet.
Jubiläum nach 15 Jahren
Inzwischen haben mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche an über 50 Frankfurter Schulen an den Angeboten teilgenommen. Die Zahlen beziehen sich auf die gesamte Projektlaufzeit seit 2011.
Am Dienstag, 27. Oktober 2026, feiert JIMS sein 15-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert im Frankfurter Gallus Theater.
Auch künftig möchte das Projekt Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, Jazz kennenzulernen, eigene musikalische Fähigkeiten zu entdecken und gemeinsam mit anderen Musik zu machen.






