Kinder lernen Sprache nicht nur bei besonderen Übungen. Sie lernen sie vor allem im Alltag: beim Spielen, beim gemeinsamen Essen, beim Anschauen von Büchern oder im Gespräch mit anderen. Genau hier setzt das Projekt „Sprachbildung im Alltag“, kurz SiA, von Kita Frankfurt an. Seit dem 1. September 2026 nehmen fünf weitere Kinderzentren an der zweijährigen Qualifizierung teil.
Sprache lernen mitten im Kita-Alltag
Ziel des Projekts ist die sogenannte alltagsintegrierte Sprachbildung. Der Begriff bedeutet: Sprachliche Bildung wird in ganz normale Situationen des Kita-Tages eingebaut. Fachkräfte lernen beispielsweise, Gespräche mit Kindern bewusst zu nutzen, Äußerungen der Kinder aufzugreifen und ihnen Möglichkeiten zum Erzählen und Sprechen zu geben.
Es geht also nicht um ein zusätzliches Sprachprogramm. Vielmehr sollen Situationen, die ohnehin jeden Tag stattfinden, stärker für die sprachliche Entwicklung der Kinder genutzt werden.
Diese fünf Frankfurter Kinderzentren sind neu dabei
An der neuen Runde beteiligen sich das Kinderzentrum Kiefernstraße 26a, das Kinderzentrum Ahornstraße, das Kinderzentrum Im Sauern, das Kinderzentrum Schwalbacher Straße und das Kinderzentrum Atzelbergstraße.
Das Projekt gibt es bereits seit 2015. Nach Angaben von Kita Frankfurt wurden seitdem 30 Einrichtungen des städtischen Eigenbetriebs entsprechend qualifiziert.
Was bedeutet „SiA“?
SiA steht für „Sprachbildung im Alltag“. Kinderzentren von Kita Frankfurt können sich für die Teilnahme bewerben.
Jede teilnehmende Einrichtung bestimmt zwei sogenannte SiA-Multiplikatorinnen oder -Multiplikatoren. Hinter dem Begriff steckt ein einfaches Prinzip: Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden besonders geschult und geben ihr neues Wissen anschließend an das gesamte Kita-Team weiter.
Auf diese Weise sollen nach und nach alle pädagogischen Fachkräfte der Einrichtung das Gelernte in ihrer täglichen Arbeit anwenden können.
Was ist das Heidelberger Interaktionstraining?
Ein wichtiger Bestandteil der Qualifizierung ist das Heidelberger Interaktionstraining, kurz HIT. Dabei handelt es sich um eine wissenschaftlich untersuchte Fortbildung für pädagogische Fachkräfte.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen dabei, wie sie Gespräche und andere Alltagssituationen so gestalten können, dass Kinder möglichst gut beim Spracherwerb unterstützt werden. Dazu gehören beispielsweise sprachfördernde Fragen oder das bewusste Aufgreifen dessen, was ein Kind erzählt.
Nach Angaben des Zentrums für Entwicklung und Lernen (ZEL) wurde die Wirksamkeit des Heidelberger Interaktionstrainings in mehreren wissenschaftlichen Studien nachgewiesen. Das Training soll die Fähigkeiten pädagogischer Fachkräfte in der Interaktion mit Kindern stärken und die sprachliche Entwicklung der Kinder fördern.
Zwei Jahre Begleitung für die Kita-Teams
Die Qualifizierung dauert zwei Jahre. Während dieser Zeit geben die geschulten SiA-Multiplikatorinnen und -Multiplikatoren ihr Wissen an ihre Kolleginnen und Kollegen weiter.
Unterstützung erhalten die Teams durch regelmäßige Besuche von Fachberaterinnen und Fachberatern der Fachstelle Beratung und Entwicklung bei Kita Frankfurt. Auch eine Referentin des Zentrums für Entwicklung und Lernen in Heidelberg begleitet die Einrichtungen und führt Coachings durch.
Coaching bedeutet in diesem Fall, dass die Fachkräfte fachlich begleitet werden und gemeinsam daran arbeiten, das Gelernte im täglichen Umgang mit den Kindern umzusetzen.
Auch die Leitungen der teilnehmenden Kinderzentren werden geschult. Sie erhalten eine dreitägige Fortbildung zum Heidelberger Interaktionstraining und erfahren, wie sie die SiA-Fachkräfte und ihre Teams während der Qualifizierung unterstützen können.
Nach zwei Jahren erhalten die teilnehmenden Kinderzentren ein Zertifikat.
Sprachbildung soll Chancen von Anfang an stärken
Das Projekt wird von Kita Frankfurt gemeinsam mit dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten, der Fachstelle Beratung und Entwicklung bei Kita Frankfurt sowie dem Zentrum für Entwicklung und Lernen in Heidelberg durchgeführt.
Bildungsdezernentin Sylvia Weber sieht darin einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit. Kita Frankfurt lege mit SiA einen Schwerpunkt auf die Sprachbildung im Kita-Alltag und damit auf „mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit von Anfang an“.
Für Kinder bedeutet das vor allem: Sprache soll dort gefördert werden, wo sie jeden Tag gebraucht und gelernt wird – mitten im gemeinsamen Kita-Alltag.






