Hessen: Neuer Bewegungscheck für Grundschulkinder

von Patricia Mueller
zuletzt aktualisiert 25.09.2026 - 07:12 Uhr

Wie schnell kann mein Kind laufen? Wie gut kann es balancieren? Und wie steht es um Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer? Ab dem 1. November 2026 startet an hessischen Grundschulen ein neuer Bewegungscheck. Zweitklässlerinnen und Zweitklässler können dabei acht verschiedene Übungen absolvieren. Die Teilnahme ist freiwillig und nur mit Zustimmung der Eltern möglich.

Hinter dem Test steckt jedoch mehr als eine Bestandsaufnahme: Hessen möchte herausfinden, wie es um die motorische Fitness von Grundschulkindern steht – und aus den Ergebnissen konkrete Angebote ableiten. Kinder mit Förderbedarf sollen zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten bekommen, besonders fitte Kinder können später zu Talenttagen eingeladen werden.

Acht Übungen zeigen, wie fit die Kinder sind

Der Hessische Bewegungscheck richtet sich zunächst an Kinder der zweiten Klassen an teilnehmenden Grundschulen. Grundlage ist der Deutsche Motorik Test, ein standardisiertes Testverfahren, das verschiedene motorische Fähigkeiten erfasst.

Die Kinder absolvieren acht Übungen: einen 20-Meter-Sprint, Rückwärts-Balancieren, seitliches Hin- und Herspringen, Sit-ups, Liegestütze, Standweitsprung, eine Rumpfbeuge und einen Sechs-Minuten-Lauf. Damit werden unter anderem Schnelligkeit, Koordination, Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer betrachtet.

Wie der Test genau organisiert wird, kann von Schule zu Schule unterschiedlich aussehen. Möglich ist beispielsweise die Durchführung durch eine einzelne Lehrkraft oder im Rahmen eines größeren Bewegungstages. Die Schulen erhalten dafür spezielle Materialien und werden bei der Umsetzung unterstützt. Wissenschaftlich begleitet und ausgewertet wird das Projekt vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Keine Noten: Kinder bekommen „Pfoten“

Wichtig für Eltern: Der Bewegungscheck ist freiwillig. Schulen, die teilnehmen, informieren die Eltern vorab und benötigen deren Zustimmung.

Auch eine klassische Benotung gibt es nicht. Stattdessen erhalten die Kinder eine kindgerechte Urkunde und sogenannte „Pfoten“. Diese zeigen ihnen, bei welchen Aufgaben sie bereits besonders gut abschneiden und wo noch Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.

Die Eltern bekommen zusätzlich eine ausführlichere individuelle Auswertung. Darin werden die Leistungen ihres Kindes mit denen Gleichaltriger verglichen und Abweichungen nach oben oder unten verständlich dargestellt.

Warum führt Hessen den Bewegungscheck ein?

Das Land möchte mit dem neuen Verfahren erstmals einen landesweiten und verlässlichen Überblick über die motorische Fitness von Zweitklässlern erhalten. Die Ergebnisse sollen aber nicht nur gesammelt werden. Sie sollen den Schulen auch dabei helfen, ihre Sport- und Bewegungsangebote stärker am tatsächlichen Bedarf der Kinder auszurichten.

Ganz neu ist die Idee eines solchen Tests in Hessen nicht. Bereits 2019 wurde ein Verfahren erprobt, das wissenschaftlich von der Goethe-Universität Frankfurt begleitet und zuletzt in acht hessischen Sportkreisen eingesetzt wurde. Dieses Pilotverfahren wird nun durch den landesweit angelegten Hessischen Bewegungscheck ersetzt.

Gerade der Ausbau der Ganztagsbetreuung soll künftig zusätzliche Möglichkeiten bieten, Bewegung stärker in den Schulalltag einzubinden. Schule, Sportvereine und die regionalen Sportkreise sollen dafür enger zusammenarbeiten.

Was passiert, wenn ein Kind Förderbedarf hat?

Genau hier soll der Bewegungscheck über einen normalen Fitnesstest hinausgehen. Die Sportjugend Hessen hat ein 20-stündiges Bewegungsförderprogramm entwickelt. Es soll jährlich mindestens 100 Grundschulen kostenlos angeboten werden können.

Vorrangig sollen Schulen berücksichtigt werden, an denen die Ergebnisse einen besonders hohen Bedarf an zusätzlicher Bewegungsförderung zeigen. Qualifizierte Übungsleiterinnen und Übungsleiter aus Sportvereinen sollen entsprechende Angebote möglichst direkt an die Schulen bringen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Ganztag.

Das Ziel ist nicht allein, einzelne Übungen zu verbessern. Kinder sollen Freude an Bewegung entwickeln, eigene Stärken entdecken und möglichst dauerhaft zu mehr körperlicher Aktivität finden.

Auch sportliche Talente sollen entdeckt werden

Der Blick geht gleichzeitig in die andere Richtung: Kinder, die beim Bewegungscheck besonders gute Ergebnisse erzielen, sollen künftig zu regionalen Talenttagen eingeladen werden. Dort können sie unterschiedliche Sportarten kennenlernen und Kontakte zu passenden Vereinen bekommen.

Das Konzept für diese Talenttage wird derzeit von den beteiligten Ministerien und dem Landessportbund entwickelt. Erstmals umgesetzt werden soll es zu Beginn des nächsten Schuljahres.

Der neue Bewegungscheck verfolgt damit zwei Ziele: Er soll sichtbar machen, wo Kinder zusätzliche Unterstützung benötigen, und gleichzeitig besondere motorische Stärken erkennen. Entscheidend wird sein, wie viele Grundschulen sich freiwillig beteiligen – und wie gut es anschließend gelingt, aus den Testergebnissen tatsächlich zusätzliche Bewegungsangebote für Kinder entstehen zu lassen.

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