09.02.2026 - 09:48 Uhr
| Schulkind
von Patricia Mueller
Demokratie beginnt nicht erst mit 18 – das zeigt Wiesbaden jetzt ganz konkret in Mainz-Kastel. Mit der konstituierenden Sitzung am Donnerstag, 5. Februar 2026, ist in Kastel das erste Kinderparlament der Landeshauptstadt gestartet. Das neue Gremium ist ein Pilotprojekt des Amtes für Soziale Arbeit und soll Kindern früh ermöglichen, ihre Ideen einzubringen und aktiv an Entscheidungen im Stadtteil mitzuwirken.
Das Besondere: Die Kinder dürfen nicht nur diskutieren, sondern erhalten echte Beteiligungsrechte, die in kommunale Prozesse einfließen sollen. Damit setzt Wiesbaden ein klares Zeichen für gelebte Demokratie von Anfang an.
Welche Kinder im Kinderparlament Mainz-Kastel dabei sind
Aktuell besteht das Kinderparlament aus 16 gewählten Vertreterinnen und Vertretern aus den dritten und vierten Klassen. Beteiligt sind die Bertha-von-Suttner-Schule, die Gustav-Stresemann-Schule, die Krautgartenschule sowie das Kinder- und Jugendzentrum an der Reduit.
Koordiniert wird das Projekt von der Abteilung Schulsozialarbeit Kinder. Die Mitarbeitenden bereiten gemeinsam mit den Schulen die Sitzungen vor, begleiten sie und unterstützen die Kinder pädagogisch. So wird sichergestellt, dass die jungen Abgeordneten ernst genommen werden und gut in ihre neue Rolle hineinwachsen.
Wie das Kinderparlament arbeitet
Das Kinderparlament tagt bis zu dreimal im Jahr. Die Amtszeit beträgt ein Schuljahr, eine Wiederwahl ist möglich. Dadurch können sowohl neue Kinder nachrücken als auch engagierte Vertreterinnen und Vertreter ihre Arbeit fortsetzen.
Für viele Kinder ist das eine ganz neue Erfahrung: wählen, gewählt werden, diskutieren, Vorschläge formulieren und gemeinsam Entscheidungen vorbereiten. So lernen sie ganz praktisch, wie Demokratie funktioniert.
Echte Mitbestimmung statt Symbolpolitik
Ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen Beteiligungsprojekten: Das Kinderparlament erhält Antrags-, Rede- und Vorschlagsrechte in den Organen der Gemeinde und im Ortsbeirat. Diese sollen im Rahmen der rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten berücksichtigt werden.
Damit wird Kinderbeteiligung fest in kommunale Entscheidungsprozesse eingebunden. Die Meinungen der Kinder werden nicht nur gehört, sondern fließen in die politische Arbeit vor Ort ein.
Wie alles begann: Kinder gaben den Anstoß
Die Gründung des Kinderparlaments knüpft an die Arbeit des Zukunftsausschusses aus dem Jahr 2023 an. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten Kinder der Bertha-von-Suttner-Schule ihre Anliegen im Ortsbeirat vorgestellt und damit den Anstoß für den Aufbau eines eigenen Parlaments gegeben.
Heike Richter, kommissarische Leiterin des Amtes für Soziale Arbeit und gemeinsam mit Jutta Kühn-Mertens Koordinatorin des Projekts, zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Kinder. Sie hätten ihre Rolle ernst genommen, Verantwortung übernommen und ihre Ideen mit großer Begeisterung eingebracht. Auch Ortsvorsteher Hartmut Bohrer sprach von einem historischen Moment für Wiesbaden.
Demokratie kindgerecht erklärt
Bei der Eröffnung des Kinderparlaments im fastnächtlich bunt geschmückten Sitzungssaal der Ortsverwaltung wandte sich Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher direkt an die jungen Abgeordneten. Sie machte deutlich, dass genau das Demokratie sei: mitreden, mitgestalten und Verantwortung übernehmen.
Kinder wüssten am besten, was Kinder im Stadtteil brauchen. Ihre Meinungen seien wichtig, weil sie den Alltag vor Ort aus eigener Perspektive erleben.
Welche Themen die Kinder bewegen
Die Themen, die im Kinderparlament behandelt werden, sind alltagsnah und betreffen den Stadtteil direkt. Dazu gehören unter anderem sichere Schulwege, Spiel- und Freizeitangebote, Mobilität, Umwelt- und Klimaschutz sowie Orte, an denen sich Kinder wohlfühlen können.
Viele dieser Themen betreffen nicht nur Kinder, sondern alle Generationen im Stadtteil.
Budget für eigene Projekte in 2026
Damit die Ideen der Kinder nicht nur auf Papier bleiben, stehen dem Kinderparlament im Jahr 2026 auch finanzielle Mittel zur Verfügung. Diese stammen aus dem Budget des World Design Capital-Projekts „Auf die Plätze los“. Zusätzlich unterstützt der Ortsbeirat Kastel das Kinderparlament mit einem eigenen Budget.
So können die Kinder erleben, dass ihre Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden können.
Ein Modell mit Zukunft für Wiesbaden
Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher sieht das Kinderparlament als wichtigen Baustein für eine zukunftsfähige Stadtgesellschaft. Wer früh erlebt, dass die eigene Stimme zählt, entwickelt ein nachhaltiges Demokratieverständnis.
Das Kinderparlament in Mainz-Kastel soll deshalb als Vorbild für weitere Stadtteile dienen. Entsprechende Mittel sollen für den nächsten Haushalt angemeldet werden.
Warum das Kinderparlament für Familien wichtig ist
Für Familien in Mainz-Kastel ist das neue Kinderparlament ein starkes Signal. Kinder lernen, ihre Meinung zu äußern, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Lösungen zu finden. Gleichzeitig wird der Stadtteil kinderfreundlicher, weil Kinder aktiv an seiner Gestaltung beteiligt sind.
Damit ist das Kinderparlament mehr als ein Pilotprojekt – es ist ein Schritt hin zu einer Stadt, die ihre Kinder ernst nimmt und ihnen Raum gibt, mitzugestalten.
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