04.02.2026 - 07:13 Uhr
| Gesellschaft
von Patricia Mueller
Teilzeit ist für viele Eltern in Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und Umgebung keine Lifestyle-Laune, sondern echte Alltagshilfe. Doch aktuell sorgt ein Vorstoß aus der CDU für Schlagzeilen: Soll der Rechtsanspruch auf Teilzeit eingeschränkt werden? Wir erklären dir, was dahintersteckt – und warum ein Frankfurter Arbeitspsychologe klar sagt: Teilzeit ist eine Chance, nicht ein Problem.
Worum geht es bei der aktuellen Teilzeit-Debatte?
Auslöser der Diskussion ist ein Antrag aus dem Wirtschaftsflügel der CDU, genauer von der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT). Die Forderung: Kein Rechtsanspruch auf sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“. Künftig soll Teilzeit nur noch mit besonderer Begründung möglich sein, zum Beispiel wegen Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder gesundheitlichen Gründen.
Warum kommt das Thema gerade jetzt auf den Tisch?
Hinter der Debatte stehen vor allem zwei große Fragen: Zum einen der Fachkräftemangel. Befürworter argumentieren, Deutschland brauche insgesamt mehr geleistete Arbeitsstunden, Teilzeit werde dabei als Hindernis gesehen. Zum anderen sorgt schon der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ für Streit. Er klingt so, als würden Menschen aus Bequemlichkeit weniger arbeiten – und viele Eltern fühlen sich dadurch unfair abgestempelt.
Teilzeit ist im Rhein-Main-Gebiet oft keine Wahl, sondern nötig
Gerade im Rhein-Main-Gebiet, wo hohe Mieten, lange Pendelwege und knappe Betreuungsplätze den Alltag prägen, ist Teilzeit für viele Familien oft die einzige Lösung. Typische Gründe sind fehlende Kita-Plätze, kurze Betreuungszeiten, Pflegeaufgaben oder schlicht die Belastung, alles gleichzeitig stemmen zu müssen. Besonders im Herbst und Winter zeigt sich das deutlich: Wenn Krankheiten die Runde machen oder Gruppen in der Kita schließen, wird Vereinbarkeit schnell zur Herausforderung.
Experte aus Frankfurt: Teilzeit schadet Unternehmen nicht
In diese Diskussion bringt Prof. Dr. Christoph Desjardins von der Frankfurt University of Applied Sciences eine wichtige Perspektive ein. Er widerspricht der Behauptung, Teilzeit schade Unternehmen durch eine „Verweigerung“ von Vollzeitarbeit. Das lasse sich nicht belegen, sagt der Experte. Im Gegenteil: Unternehmen und Gesellschaft könnten sogar profitieren.
Macht Vollzeit wirklich produktiver?
Denn mehr Arbeitsstunden bedeuten nicht automatisch mehr Produktivität. Studien zeigen, dass die Leistungsfähigkeit mit steigender Stundenzahl oft abnimmt. Neue Modelle wie Vier-Tage-Woche oder Sechs-Stunden-Tag machen deutlich, dass gute Ergebnisse auch mit weniger Zeit möglich sein können.
Besonders spannend: Laut Desjardins gibt es sogar ein optimales Teilzeitfenster. Bei etwa 25 bis 30 Wochenstunden könnten die Vorteile der Teilzeit die Nachteile überwiegen.
Warum Teilzeit motivieren und gesünder machen kann
Teilzeit kann zudem Motivation und Fokus steigern. Wer mehr Zeitautonomie gewinnt, arbeitet oft konzentrierter, macht weniger Pausen und kommt zufriedener in den Job zurück.
Auch gesundheitliche Effekte spielen eine Rolle: Eine geringere Belastung kann Krankenstände reduzieren und langfristig helfen, die Leistungsfähigkeit zu erhalten. Gerade in Zeiten steigender Krankmeldungen ist das ein Argument, das viele unterschätzen.
Teilzeit als Push für Innovation und moderne Arbeitsmodelle
Ein weiterer Gedanke: Teilzeit zwingt Unternehmen, effizienter zu werden. Der Trend kann Innovationskraft fördern, etwa durch bessere Prozesse, Digitalisierung oder den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Teilzeit wird damit nicht zur Bremse, sondern kann sogar ein Anstoß für mehr Wettbewerbsfähigkeit sein.
Wie ist Teilzeit aktuell gesetzlich geregelt?
Wichtig zu wissen: Aktuell ist Teilzeit weiterhin gesetzlich geregelt. Grundlage ist das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG). Beschäftigte haben Anspruch auf Teilzeit (§8) und es gibt die Brückenteilzeit (§9a), also Teilzeit auf Zeit mit Rückkehrrecht.
Bisher handelt es sich bei der Debatte um einen parteiinternen Antrag, nicht um ein Gesetz.
Fazit: Teilzeit betrifft Familien stärker als viele denken
Für Eltern im Rhein-Main-Gebiet lohnt es sich trotzdem, aufmerksam zu bleiben. Teilzeit ist für viele keine Option, sondern Voraussetzung, um Kinderbetreuung, Pflege und Beruf überhaupt vereinbaren zu können. Die Diskussion zeigt, wie stark Arbeitszeitpolitik Familien betrifft.
Prof. Desjardins bringt es auf den Punkt: Teilzeit sollte nicht als Bedrohung, sondern als Chance für eine alternde Gesellschaft verstanden werden.
FAQ
Wird Teilzeit in Deutschland abgeschafft?
Nein. Aktuell gibt es keinen Gesetzentwurf, nur eine politische Debatte innerhalb der CDU.
Was bedeutet „Lifestyle-Teilzeit“?
Das ist ein umstrittener Begriff für Teilzeit ohne „zwingenden Grund“, der viele Menschen abwertet.
Können Arbeitgeber Teilzeit einfach ablehnen?
Nur bei betrieblichen Gründen. Grundsätzlich ist Teilzeit ein gesetzlich verankerter Anspruch.
Was ist Brückenteilzeit?
Teilzeit auf Zeit mit Rückkehrrecht in Vollzeit (§9a TzBfG).
Warum betrifft die Debatte besonders Familien?
Weil Teilzeit oft notwendig ist, um Kinderbetreuung und Beruf im Alltag zu verbinden.
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