160 Jahre Zoo Frankfurt

Am 08.08.2018 kann der zweitälteste Zoo Deutschlands auf eine bewegte Geschichte zurück blicken. Für die Zukunft hat er sich viel vorgenommen – vor allem im Hinblick auf seine Entwicklung als Natur- und Artenschutzzentrum im Herzen der Mainmetropole.

Wenn man bedenkt, wie umfangreich und aufwändig auch heute noch das Planen und Bauen zoologischer Anlagen ist und wie viele Menschen an der Planung und Realisierung beteiligt sind, kann man nur den Hut ziehen: Der vorgesehene Termin für die Fertigstellung des Zoos im Jahr 1858 wurde um nur acht Tage überschritten. Am 8. August vor 160 Jahren öffnete sich der Zoologische Garten Frankfurt zunächst im Leers‘schen Garten in Bockenheim erstmals für die Öffentlichkeit.

Um das möglich zu machen, wurde 1857 die Zoologische Gesellschaft von wohlhabenden Bürgern der Stadt gegründet. Noch gab es in Europa wenige Vorbilder für einen Zoobetrieb, aber mit großem Engagement widmete man sich der Einrichtung eines Ortes, an dem die Erholung im Freien mit dem Studium der Natur verbunden werden konnte. „Damals wie heute ist der Zoo für Frankfurt nicht nur die meistbesuchte Freizeiteinrichtung der Stadt, sondern eine wichtige Stätte für Bildung, Forschung und Naturschutz. Im Zoo kommen Menschen jeden Alters und unterschiedlicher Herkunft zusammen, um mitten in der Großstadt Natur erleben zu können. Eine ungebrochene Faszination seit 160 Jahren“, sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, die heute für den Zoo zuständig ist. Denn in den Wirren des Ersten Weltkriegs übernahm der Magistrat der Stadt Frankfurt im Jahr 1915 den Zoobetrieb von der Zoologischen Gesellschaft.

Der Zoo konnte realisiert werden, da zahlreiche Bürger durch das Zeichnen von Aktien und mit Hilfe von Spenden die Finanzierung sicherten. Entsprechend groß war die öffentliche Aufmerksamkeit. Die Eröffnung des Zoos war in ganz Deutschland Thema, wie ein Bericht im Leipziger Dorfanzeiger vom 4. September 1858 zeigt: „Bei der Eröffnung des Tiergartens … war der Zustrom sehr groß. Trotz Verbots konnten die Leute es nicht lassen, den Tieren allerhand Naschwerk zuzuwerfen. Am anderen Tag litten fast alle Tiere am verdorbenen Magen …“

Die Zoobesucher konnten Tiere aller Kontinente bestaunen, wobei neben Säugetieren und Vögeln auch Reptilien, Amphibien und sogar Fische gezeigt wurden. Die Tiere waren „entsprechend ihrer Art“ untergebracht, wie das bereits in der „Denkschrift über die Gründung eines Zoologischen Gartens in Frankfurt am Main“ von 1857 angekündigt worden war.

Nur wenige Abbildungen gibt es aus der Gründungszeit des Zoos. Die Leipziger Illustrierte Zeitung vom 27. April 1861 beschreibt einen Zoobesuch so: „.. unser Blick fällt bald auf ein großes Portal … mit zwei hübsch verziehrten Portierhäuschen im Hintergrund. Wir sehen zunächst nur Blumenbeete zu unseren Füßen und vor uns einen prächtigen Wald alter Bäume, aber das Willkommen der Aras und Kakadus, die unter den Bäumen schweben, sagt uns bald, dass wir am rechten Orte sind.“

Zunächst lag der Zoo im Leers‘schen Garten an der Bockenheimer Landstraße. Doch bald wurde das Gelände zu klein. Ein neues Areal wurde an der Pfingstweide im Frankfurter Osten gefunden. Im Frühjahr 1874 war es soweit: Knapp 1200 Tiere vom Wassergeflügel bis zum Elefanten wurden quer durch die Stadt an den neuen Standort gebracht, und auch einige Gebäude zogen mit um.

Heute leben circa 4500 Tiere aus etwa 450 Arten im Zoo, die meisten davon im Exotarium und im Grzimekhaus für tag- und nachtaktive Tiere. Im Jahr 2008 hat sich der Zoo Frankfurt ein starkes Motto gegeben: „“Tiere erleben – Natur bewahren“. Schritt für Schritt wird er seitdem zu einem modernen Natur- und Artenschutzzentrum ausgebaut. Viele neue Tieranlagen entstanden, wie der Borgori-Wald“ mit seinem Schwerpunkt auf die großen Menschenaffen, die Südamerika-Anlage „Ukumari-Land“ und die im Bau befindliche Humboldt-Pinguin-Anlage.

Seit Anfang 2018 ist Miguel Casares der 13. Direktor des Frankfurter Zoos. Er steht damit in der Nachfolge so hervorragender Zoologen wie Max Schmidt, Kurt Priemel und Bernhard Grzimek. Casares setzt sich mit ganzer Kraft für artgerechte Tierhaltung im Zoo und für den Natur- und Artenschutz ein: „Zoos sind in meinen Augen Kulturinstitutionen, in denen sich Menschen für Tiere begeistern lassen.“ Um den Zoo fit für die Zukunft zu machen, will er ein nachhaltiges Zookonzept entwickeln, das eine klare Verbindung zwischen der Erhaltung von bedrohten Tierarten im Zoo und dem Schutz ihrer natürlichen Lebensräume schafft. Als Partnerin steht ihm dabei die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) zur Seite – mittlerweile eine der bedeutendsten weltweit tätigen Naturschutzorganisationen mit Hauptsitz im Zoogesellschaftshaus. Und selbstverständlich stehen nach wie vor die Bedürfnisse der Besucherinnen und Besucher nach zeitgemäßer Wissensvermittlung und Erholung ganz oben auf der Agenda.

Mehr Informationen zur Geschichte des Zoos: http://www.zoo-frankfurt.de/unser-zoo/geschichte/

Foto: Zoo Frankfurt / A. Plassmann
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