Elterngeld-Reform: Was sich für Eltern ändern soll

Patricia Müller
von Patricia Müller
zuletzt aktualisiert 29.10.2026 - 13:03 Uhr

Das Elterngeld soll reformiert werden. Die gute Nachricht für werdende Eltern: Die ursprünglich geplante Kürzung von 14 auf zwölf Monate ist vorerst vom Tisch. Stattdessen plant Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eine neue Aufteilung der Bezugsmonate und veränderte Zahlungen. Ziel ist es, dass sich Mütter und Väter die Betreuung ihrer Kinder stärker teilen. Doch der neue Vorschlag stößt auch auf Kritik. Denn nicht jede Familie könnte von den Änderungen profitieren.

Warum soll das Elterngeld geändert werden?

Das Elterngeld unterstützt Eltern finanziell, wenn sie nach der Geburt ihres Kindes beruflich kürzertreten oder vorübergehend nicht arbeiten. Bislang können Paare gemeinsam bis zu 14 Monate Basiselterngeld erhalten, wenn beide Elternteile mindestens zwei Monate übernehmen. Die Höhe richtet sich nach dem Einkommen vor der Geburt und beträgt in der Regel 65 Prozent des wegfallenden Nettoeinkommens.

Die Bundesregierung möchte mit einer Reform erreichen, dass sich insbesondere Väter stärker an der Betreuung ihrer Kinder beteiligen. Gleichzeitig steht das Familienministerium unter finanziellem Druck und muss Einsparungen erzielen.

Ein erster Entwurf sah deshalb vor, das Elterngeld auf maximal zwölf Monate zu verkürzen. Nach deutlicher Kritik wurde dieser Plan überarbeitet. Am 28. Oktober 2026 stellte das Bundesfamilienministerium ein neues Modell vor, bei dem die bisherigen 14 Monate grundsätzlich erhalten bleiben sollen.

Was ist beim Elterngeld konkret geplant?

Im Mittelpunkt steht das sogenannte 4-6-4-Modell. Die insgesamt 14 Monate Basiselterngeld sollen künftig anders zwischen den Eltern aufgeteilt werden:

  • Vier Monate sind für die Mutter reserviert.
  • Vier Monate sind für den Vater reserviert.
  • Sechs weitere Monate können die Eltern frei untereinander aufteilen.

Damit soll es attraktiver werden, dass beide Elternteile für längere Zeit beruflich aussetzen und sich um ihr Kind kümmern.

Auch bei der Höhe des Elterngeldes sind Änderungen vorgesehen. Für die jeweils vier fest reservierten Monate sollen Eltern künftig 80 Prozent ihres vorherigen Nettoeinkommens erhalten. In den sechs frei aufteilbaren Monaten wären es dagegen nur noch 50 Prozent.

Außerdem plant das Ministerium, den monatlichen Mindestbetrag von 300 auf 330 Euro und den Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro anzuheben.

Weitere geplante Änderungen: Mütter und Väter sollen wieder ohne die bisherige zeitliche Beschränkung gleichzeitig Basiselterngeld beziehen können. Auch der Geschwisterbonus für Familien mit weiteren Kindern soll länger gezahlt werden. Alleinerziehende sollen weiterhin bis zu 14 Monate Basiselterngeld erhalten können.

Was würde das für Familien bedeuten?

Die Reform könnte sich je nach familiärer und beruflicher Situation sehr unterschiedlich auswirken.

Bisher entscheiden sich viele Eltern für eine Aufteilung von zwölf und zwei Monaten. Ein Elternteil bleibt dabei überwiegend zu Hause, während der andere nach zwei Monaten in den Beruf zurückkehrt.

Mit dem neuen Modell wäre diese Aufteilung beim Basiselterngeld nicht mehr möglich. Ein Elternteil könnte höchstens zehn Monate beziehen. Die übrigen vier Monate wären für den anderen Elternteil reserviert. Werden sie nicht genutzt, würden sie verfallen.

Familien, in denen sich beide Elternteile die Betreuung stärker aufteilen können, könnten hingegen von den höheren Zahlungen in den reservierten Monaten profitieren.

Deutscher Familienverband warnt vor finanziellen Nachteilen

Der Deutsche Familienverband kritisiert den aktuellen Reformvorschlag. Aus Sicht des Verbands schränkt das neue Modell die Entscheidungsfreiheit von Eltern ein. Besonders betroffen könnten Familien sein, bei denen ein Elternteil aus beruflichen oder finanziellen Gründen keine längere Auszeit nehmen kann.

Der Verband hat dazu Beispielrechnungen veröffentlicht. Bei einem Paar mit monatlichen Nettoeinkommen von 2.000 und 3.000 Euro könnte die bislang übliche Aufteilung von zwölf und zwei Monaten nach seiner Berechnung zu rund 3.000 Euro weniger Elterngeld führen. Eine Aufteilung nach dem neuen 4-6-4-Modell könnte derselben Familie dagegen rund 800 Euro mehr bringen.

Die Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die finanziellen Folgen ausfallen könnten. Entscheidend wäre künftig nicht nur das Einkommen, sondern auch, wie die Eltern ihre Betreuungsmonate verteilen können.

Der Familienverband fordert deshalb, dass Eltern die 14 Monate weiterhin möglichst frei aufteilen können. Außerdem spricht er sich für eine deutlich stärkere Anhebung der Mindest- und Höchstbeträge aus.

Wann sollen die neuen Regeln gelten?

Noch ist nichts beschlossen. Der überarbeitete Vorschlag befindet sich in der Abstimmung innerhalb der Bundesregierung. Anschließend müsste die Reform das Gesetzgebungsverfahren durchlaufen.

Ein verbindlicher Termin, ab wann die neuen Regeln gelten sollen, steht bislang nicht fest.

Für werdende Eltern bedeutet das: Aktuell gelten weiterhin die bisherigen Elterngeldregelungen. Wer Nachwuchs erwartet und seine Elternzeit plant, sollte die weitere Entwicklung im Blick behalten. Denn die mögliche Reform könnte sowohl die Aufteilung der Betreuungszeit als auch die finanzielle Planung im ersten Lebensjahr des Kindes beeinflussen.

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